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MEDIA:FORUM AN DER RÖMERBRÜCKE
2024 war Matthias Reimann aus Rascheid schon einmal Gast im Nachtgespräch bei OK54. 2025 fragt OK54 nach, wie es zwischenzeitlich mit dem Volksbegehren für mehr Artenschutz und Pestizidkontrolle weitergegangen ist. Und die Ergebnisse der letzten Analysen sind eindeutig: In Bienenbrotproben wurden weiter zahlreiche Pestizide gefunden - viele davon längst verboten. Matthias Reimann kämpft für Aufklärung.
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Partenheim, 07. Januar 2025
Zur PM des rheinland-pfälzischen Umwelministeriums vom 27.12.2024:
- Katrin Eder: „16 Millionen Euro für Artenvielfalt und Artenschutz“-
https://mkuem.rlp.de/service/pressemitteilungen/detail/katrin-eder-16-millionen-euro-fuer-artenvielfalt-und-artenschutz
Eine Einordnung
Eder benennt in ihrer Pressemitteilung vom 27.12.24 treffend:„Die Biodiversitätskrise ist neben der Klimakrise eine der größten Herausforderungen unserer Zeit….“ Die genannten Ausgaben von 16 Millionen Euro für den Artenschutz beziehen sich, wie am Ende der PM eingeräumt wird, auf den gesamten Zeitraum von 8 Jahren seit Beginn der ersten Ampelkoalition in Rheinland-Pfalz und betrifft die Amtszeit der drei grünen Umweltministerinnen Ulrike Höfken, Anne Spiegel und aktuell Katrin Eder. Im Schnitt wurden nur 2 Millionen Euro pro Jahr für den Artenschutz eingesetzt. Hingegen hat Landwirtschaftsministerin Schmitt allein für Direktzahlungen 2024 179 Millionen Euro an die Landwirtschaft ausgezahlt
https://mwvlw.rlp.de/presse/detail/schmitt-rund-179-millionen-euro-direktzahlungen-an-landwirte
Zum „Rettungspaket Feldhamster“ ist anzumerken, dass der Feldhamster vor 40 Jahren noch flächendeckend in ganz Rheinhessen lebte und heute auf eine letzte, durch Inzucht genetisch verarmte und isolierte Population von ca. 300 Tieren zwischen Mainz-Hechtsheim und Mainz-Ebersheim geschrumpft ist. Mit Millionenbeträgen wurde in den letzten Jahren versucht die Population zu stabilisieren und zu vermehren. Letzteres ist bis dato nicht gelungen. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Vermehrung der Population ist ein erfolgreicher zweiter Wurf der Hamsterweibchen. Der wiederum ist nur möglich wenn genügend Insekten als Proteinnahrung verfügbar sind.
Birgit Königs, Pressesprecherin Nabu NRW am 21.März 2016 zur NABU-Feldhamstertagung in Zülpich:
„Deutlich wurde aber auch, dass es bei einer weiterhin intensiven Landwirtschaft mit Monokulturen, hohem Pestizid- und Düngereinsatz sowie mangelnder Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der in der Feldflur lebenden Tiere und Pflanzen der Schutz gefährdeter Arten wie dem Feldhamster einem aussichtslosen Unterfangen gleich kommt. Nur eine zumindest in Teilen völlig andere Landwirtschaft wird hier Abhilfe schaffen.“
Die Feldhamster brauchen eine extensive, diverse und strukturreiche Landwirtschaft wie sie noch vor 40 Jahren in Rheinhessen üblich war.
Eine Studie die in diese Richtung zielt wurde 2021 von einem breiten Bündnis vorgestellt: „Artenreiche Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz 2030“ sie veranschlagt 148 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich in Rheinland-Pfalz für Umweltmaßnahmen in der Landwirtschaft
https://rlp.nabu.de/natur-und-landschaft/landwirtschaft/29533.html
2021 wurde auch im Gebiet der letzten Hamsterpopulation von RLP sowohl bei Mainz-Hechtsheim als auch bei Mainz.Ebersheim mit Zustimmung der damaligen grünen Umweltministerin Spiegel ein hochgiftiges Insektizid, ein Neonikotinoid ohne Zulassung im Rahmen einer schnell erteilten sog. „Notfallzulassung“ eingesetzt. Der Europäische Gerichtshof hat dieses Vorgehen im Nachhinein als rechtswidrig verurteilt. Durch den Einsatz dieses Neonikotinoids hat sich die ohnehin schlechte Versorgung der Feldhamster mit Insekten mit großer Wahrscheinlichkeit noch verschlechtert, zumal das Neonikotinoid lange im Boden wirksam bleibt.
Auch kontraproduktiv war eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz von Glyphosat in Naturschutzgebieten, wie sie von der grünen Umweltministerin Ulrike Höfken ermöglicht wurde. Glyphosat zerstört die für Feldhamster wichtigen Ackerwildkräuter.
In Anbetracht der bisherigen Investitionen in die letzte Feldhamsterpopulation von einem niedrigen 5-stelligen Eurobetrag pro Hamster erscheinen die Kosten einer Extensivierung und Diversifizierung des Ackerbaus in Rheinhessen eine sinnvolle Alternative. Langfristig sollten für Rheinland-Pfalz Feldhamsterhabitate mit einer Gesamtgröße von mindestens 8000 ha angestrebt werden,
https://snu.rlp.de/fileadmin/snu/3_Projekte/7_BfN_Feldhamsterland/Massnahmen/Feldhamsterschutzkonzept_RLP_SNU.pdf
Der Experte Lars Neumeister hat hierzu eine praktikable und finanzierbare Ackerbaustrategie entwickelt
https://www.pestizidexperte.de/index.php
Nicht nachvollziehbar ist auch die Entscheidung der grünen Klimaministerin Katrin Eder, Ausnahmen vom Insektenschutzpaket, das von der früheren Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner (CDU) erlassen wurde, zuzustimmen und die Ausbringung hochgiftiger, bestäubergefährdender Insektizide in Naturschutzgebieten zu ermöglichen. Folglich konnte eine Studie zu Pestizidrückständen im Landkreis Mainz-Bingen 2023 keinen Unterschied bei der Belastung von Naturschutzgebieten zu anderen Gebieten feststellen. Insgesamt wurden 49 Wirkstoffe nachgewiesen.
https://www.anuk.info/index.php/presse-infos/nachrichten/pestizide-im-bienenbrot
In 90% der Proben aus dem Landkreis Mainz-Bingen wurde auch das amphibientoxische Fungizid Folpet nachgewiesen. Kontaminierte Weinberge werden zu Todesfallen für wandernde Amphibien. Dieses ist geeignet den ohnehin stark dezimierten Amphibienbestand in Rheinland-Pfalz in eine ähnlich kritische Situation zu bringen, wie die Feldhamster.
https://www.anuk.info/index.php/projekte/froesche-kroeten
Warum alle drei grünen Umweltministerinnen dem Koalitionspartner FDP im Landwirtschaftsministerium so weit entgegenkommen bleibt im dunkeln. Ausbleibende oder verzögerte Artenschutzmaßnahmen verschlechtern und verteuern den Artenschutz in Rheinland-Pfalz, sie sind nicht nachhaltig. Die Intensivierung der Landwirtschaft durch Landwirtschaftsministerin Schmitt und die Extensivierung der Landwirtschaft durch Artenschutzministerin Eder stehen sich diametral entgegen. Dabei geht viel Energie und Glaubwürdigkeit verloren. Beide Ministerinnen haben sich aber der Landesverfassung mit Art. 69 verpflichtet:
„Der Schutz von Natur und Umwelt als Grundlage gegenwärtigen und künftigen Lebens ist Pflicht des Landes, der Gemeinden und Gemeindeverbände sowie aller Menschen.“
Für Rückfragen wenden Sie sich btte an
Franz Botens
Vorsitz ANUK e.V.
www.anuk.info
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